Freitag, 2. Dezember 2016

Sinnvolles Recruiting oder Muss uns der Job glücklich machen?


„Do what you love“ ich gebe es zu, dieser Spruch hängt auch in meinem Büro. Warum? Weil es bei mir einfach wahr ist. Die meiste Zeit meines Lebens war ich in Jobs tätig, die ich wirklich gern gemacht habe. Ich habe mich verändert, wenn ich „im Job nicht mehr glücklich war". Seit meinem ersten Job wollte ich auf meiner Visitenkarte einmal „Geschäftsführung“ stehen haben. Damals hatte ich keine Ahnung, was das eigentlich bedeutet, also was man da konkret zu tun hat.


Heute steht der Begriff "Geschäftsführung" übrigens nicht auf meiner Visitenkarte, die Funktion habe ich trotzdem. Und Grund dafür, mich selbstständig zu machen, war nicht, dass ich die Visitenkarte endlich haben wollte. Daran habe ich bei meiner Entscheidung gar nicht gedacht. "The only way to do great work is to love what you do." Hängt auch in meinem Büro und DAS war der ausschlaggebende Grund.

Mein Eindruck ist, dass seit einiger Zeit der Sinn im Job vermehrt thematisiert wird. Beim HR Inside Summit zum Beispiel 

  • „dass glückliche Mitarbeiterinnen maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen. Sie sind effizienter, kreativer und loyaler.“
  • „Mitarbeiterinnen, die zusammenarbeiten, sind glücklicher, leisten mehr und sind innovativer.„
  • „Inspiration ist Motivationsfaktor Nummer 1, gefolgt von Wertschätzung, Jobsicherheit und Kommunikation.„

Die Initiative „Sinnstifter“ möchte interessanten Berufe mit all ihren Facetten vorstellen und verdeutlichen, dass viele Klischees, die rund um die Tätigkeit in einem Sozial- und Gesundheitsberuf vorhanden sind, nicht der Realität entsprechen. Die spannenden Berufsbilder sollen ins Licht der Öffentlichkeit gestellt und neue SinnstifterInnen für diese Aufgaben begeistert werden. Darüber hinaus sollen jene Menschen eine Plattform finden, die bereits als Sinnstifter tätig sind oder eine Ausbildung dazu absolvieren. Ihre Leistungen sollen gewürdigt und einem breiten Publikum bekannt gemacht werden.

WAS TUN SINNSTIFTERINNEN? SinnstifterInnen sind Leute, die mehr wollen als einen herkömmlichen Standardjob. Zitat von der Website.

Viele Leute aus dem HR Bereich, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, sagen mir, dass sie gerne in einem Unternehmen tätig sein wollen, das etwas Sinnvolles macht. Sie wollen einen sinnvollen Job haben (und ich glaube nicht, dass das nur für HR Funktionen gilt). Das bringt mich natürlich zur Frage: und was bitte ist sinnvoll? Raucherinnen finden vielleicht die Tabakindustrie sinnvoll, Jägerinnen die Waffenindustrie. Wer entscheidet, was sinnvoll ist und was nicht? Und warum ist ein Job bei einer Versicherung für viele weniger sinnvoll als bei einer NGO?

Unter sinnvoller Tätigkeit verstehen also nicht alle das gleiche. Es ist daher vor allem im Recruiting wichtig, unsere ganz subjektive Bedeutung von sinnvoller Arbeit nicht auf andere zu übertragen. Dazu kommt, dass nicht alle Menschen über den Sinn ihrer Tätigkeit motivierbar sind. 

In einer Studie fragten im Jahr 2013 Tatjana Schnell, Thomas Höge und Edith Pollet, was Arbeit generell sinnvoll macht. Ihre Ergebnissen weisen in die Richtung, dass weniger die Eigenschaften der arbeitenden Personen, sondern die gelebten Werte des Unternehmens entscheidend dafür sind, dass Sinnerleben am Arbeitsplatz stattfinden kann. Zusätzlich tragen Merkmale der Arbeitsaufgabe und die Passung von Person und Arbeitstätigkeit zum Sinnerleben bei.

Und was wenn Leute, den Job einfach nur als Job betrachten? Ein bestimmtes Einkommen haben wollen und den Job erledigen. Pfeif auf Berufung und das ganze Klimbim. „Die Arbeit muss nicht unbedingt den Lebenssinn geben. Wichtig ist nur, dass sie ihn nicht zerstört.“ So Sinnforscherin Tatjana Schnell in einem Interview 2014 und weiter: „Der schlimmste Sinnzerstörer ist, wenn Unternehmen sich Werte auf die Fahnen heften, die sie nicht leben.“

Wie war das noch gleich mit Employer Branding und so?

Das von mir sehr geschätzte MagazinF gibt aktuell den Tipp, die Karriereregel „Do what you love“ einfach zu brechen. Wenn ich im Job nämlich nicht unzufrieden bin und ich die Möglichkeit habe, in meiner Freizeit das zu machen, was ich wirklich mag. 

So wie die einen die Farbe rosa (bitte nach eigenem Wunsch einsetzen: blau, lila, Regenbogen ;-) lieben, hassen sie die anderen. So wie die einen Marzipan mögen, können es die anderen nicht ausstehen. Und so verhält es sich auch mit dem Sinn im Job: die einen brauchen ihn, den anderen ist er schlichtweg egal, da der Job lediglich Mittel zum Zweck ist.

Und genau das ist unser Job im Recruiting: zu filtern, zu transportieren, zu übersetzen. Und die richtigen Menschen in die für sie und das Unternehmen passende Funktionen bringen.

Könnten Sie die Fragen von potentiellen Mitarbeiterinnen nach

  • dem Unternehmenssinn und 
  • dem Sinn der Funktion

beantworten? Können es Ihre Hiring Manager?

Und wissen Sie, welchen Stellenwert die Sinnfrage für Ihre Kandidatinnen hat?

Was mich zur Frage bringt: sind Recruiterinnen, die ihre Tätigkeit als sinnvoll empfinden, die besseren Recruiterinnen? 

Da bin ich mal gespannt auf Ihre Meinungen!

Herzliche Grüße
Claudia – I love what I do ;-)

Freitag, 25. November 2016

HR Innovation Camp: Mensch, Raum & Technologie


Das digitale HR Innovation Camp 2016 ist ein Veranstaltungsformat, das HR-Managern die Gelegenheit bietet, einen fundierten Überblick zu den bevorstehenden technologischen Veränderungen ihrer HR-Arbeit kennen zu lernen. Dazu wird Deloitte auf die neueste globale Bersin-Trend-Studie die neun wichtigsten Trends aufzeigen. Zudem liefert Ihnen das "Digital HR Innovation Camp 2016" tiefe Einblicke in die erfolgreichsten Innovationen aus der deutschsprachigen HR-Tech-Startup-Welt, die sich am Markt bereits etabliert haben. Folgende Fragen werden am digitalen HR Innovation Camp 2016 beantwortet:

  • Welche globalen technologischen Trends verändern die HR-Arbeit im Jahr 2017?
  • Wie können Unternehmen sich auf den digitalen Wandel von Organisationen vorbereiten?
  • Wie können Ihnen vier unterschiedliche Tools helfen, in Organisationen den digitalen Wandel zu gestalten?

Auf Einladung von Firstbird durfte ich letzte Woche beim HR Innovation Camp 2016 teilnehmen. Dies wurde veranstaltet von Deloitte, Microsoft & derbrutkasten.com. Gestartet wurde wie beim DNA Smart Afternoon am Erste Campus mit einem Rundgang durch das Microsoft Gebäude, Stichwort „New World of Work“. Wer sich selbst einmal ein Bild machen möchte, hat regelmäßig die Gelegenheit dazu, mehr Infos und Bilder hier

Eine kurze Nachlese zum Event gibt es auch im kompakten Videoformat.

Nina Schmidt, HR Lead Microsoft Österreich, hat mit ihrem Herzensthema „Digitalisierung und HR“ begonnen und gleich einen innovativen Ansatz mit einer kurzen Übung vorgestellt. Wir durften uns also nicht nur informieren und zuhören, sondern waren auch aktiv. Microsoft setzt bei der Digitalisierung auf 3 Säulen: Mensch, Raum und Technologie. Dies waren auch die 3 Säulen des HR Innovation Camp: viele interessierte Menschen, unterschiedliche Räume und innovative HR Technologie.

Danach hatten vier HR-Tech-Startups aus Österreich und Deutschland, die Möglichkeit je 5 Minuten ihre Produkte zu pitchen. Dejan Jovicevic, Co-Founder, derbrutkasten.com und Moderator des Digital HR Innovation Camp 2016 war ein strenger Zeitwächter ;-)

  • Tandemploy – die beiden Gründerinnen habe ich im September interviewed
  • Viasto – mit Videointerviews zum perfect Match
  • Firstbird – darüber habe ich im Juni berichtet
  • myVeeta – die digitale Evidenzmappe

Im Anschluß präsentiere Margareta Holz, Partnerin, Deloitte „HR Technology Disruptions for 2017+: Wie neun HR Technologie-Trends unsere HR Arbeit verändern werden“ eine Studie von Bersin.

Zum Abschluss des HR Innovation Camp 2016 konnten wir in Kleingruppen 2 der 4 HR Tech Startups besuchen und uns informieren.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht wurden die 3 Fragen, die anfangs zitiert habe nicht ganz beantwortet, aber es war eine tolle Gelegenheit, sich mit dem Thema HR & Digitalisierung auseinander zu setzen und sehr schnell einen Eindruck von innovativen Lösungen am Markt zu bekommen. Nicht alle sind für jedes Unternehmen oder jeden Anwendungsfall gut einsetzbar, aber das Format war hier in jedem Fall eine gute Entscheidungshilfe. Und wie sehen das die anderen Teilnehmerinnen? Hier ein Auszug:

„Mir hat der Nachmittag insgesamt sehr gut gefallen und es waren viele spannende Erkenntnisse für mich dabei. Es war sehr spannend zu sehen wie ein Unternehmen wie Microsoft sich am Puls der Zeit bewegt, Trends setzt aber auch eigene Erkenntnisse reflektiert und wenn notwendig auch anpasst. Sehr interessant war auch für mich zu wissen das jedes Unternehmen mit den gleichen „Arbeitsrechtlichen Themen“ zu kämpfen hat und seine eigenen Lösungen dafür findet (z.B. Home Office wird nur mit Gleitzeitvereinbarung und Rules of Engagement gelebt). Gut gefallen hat  mir auch die Aussage das im allgemeinen nur ein kleiner Prozentsatz von Mitarbeitern am „klassischen Arbeitsplatz“ innovative Ideen bzw. Geistesblitze bekommen und um wirklich Innovation zu ermöglich, muss das richtige Umfeld als auch die Kultur dazu geschaffen werden.“

„Die vier Start-Ups haben eingeladen, wiedermal über den Tellerrand hinaus zu denken und eine Idee gegeben was sich aktuell gerade so tut in der HR-Digital Welt. Am besten haben mir in diesem Zusammenhang Tandemploy und Viasto  gefallen, ich finde die Idee mit dem Jobsharing-Prinzip sehr gut und wichtig, gerade was das Thema Führungskraft und Mutter betrifft. Auch Viasto mit ihrem Video-Interview geht meiner Meinung nach einen sehr spannenden Weg, welcher Weg führt von der klassischen und einseitigen Lebenslaus-Analyse. Der Vortrag von Deloitt war aus meiner Sicht sehr interessant in Hinblick, welche Trends den HR-Bereich in den nächsten Jahren begleiten werden. Also alles in allem, war es für mich eine tolle und sehr wertvolle Veranstaltung.“

„Bei den Kleingruppen habe ich mir die Firma Viasto näher angeschaut. Das Produkt ist ein zeitversetztes Interviewtool, bei dem der Bewerber alle Fragen online beantwortet. Der große Unterschied dabei ist, dass der Bewerber nicht wie üblich live mit seinem Interviewer/in spricht, sondern dass das Unternehmen vorab die Fragen aufnimmt und dann dem Bewerber zuspielt. Der Bewerber kann dann selbst entscheidet, wann er in das Gespräch gehen will und mit der Aufzeichnung startet. Der große Vorteil für den Bewerber ist, dass er für das Interview einen Tag wählen kann, wo „alles passt“. Der Vorteil für das Unternehmen ist der, dass sich viele verschiedene Personen (Führungskraft, HR-Abteilung, zukünftige Kollegen) je nach Recruitingbedarf zeitversetzt das Bewerbungsgespräch anschauen können. Eine mühsame Terminkoordination entfällt auf diese Weise und man hat auch als Unternehmen die Möglichkeit, sich das Gespräch mehrmals anzusehen und auf sich wirken zu lassen. Meine Frage, ob es für den Bewerber nicht eine zu große Hürde ist, mit einer Videoaufzeichnung das Interview zu führen, wurde verneint. Wenn man an unsere vollen Terminkalender denkt, könnte dieses Tool sicherlich eine Hilfestellung im Recruitingprozess darstellen. „

„Nach einer circa einstündigen Führung durch das tolle Bürogebäude von Microsoft startete die eigentliche Veranstaltung mit dem Titel HR Digital Innovation. Nach einem kurzen Intro hatten vier Start-up Unternehmen 5 Minuten lang die Möglichkeit, ihre Firma samt Produkt/Dienstleistung zu präsentieren. Vorgestellt haben sich in diesem Rahmen Firstbird, Myveeta, Tandemploy und Viasto. Obwohl 5 Minuten doch relativ „knackig“ sind, wurde bei dem einen oder anderen Teilnehmer wohl doch ein Interesse auf mehr geweckt. Nach dieser Runde und im Anschluss an eine Networking Pause inklusive köstlicher Verpflegung bekamen nun alle Eventteilnehmer die Möglichkeit, sich 2 der 4 Unternehmen näher anzuschauen. Wie? Jede Firma bekam einen eigenen Besprechungsraum, in dem Zeit war für Kleingruppengespräche und Systemtests. Meine offenen Fragen auf den Punkt gebracht, konnte ich sehr schnell eruieren, ob eines der Produkte eine Unterstützung in meinem HR-Alltag bietet. Insgesamt war der HR Digital Innovation Event eine gelungene Veranstaltung mit Lust auf Wiederholung. „

„Sehr informative & vom Setting gut durchdachte Veranstaltung, die einem klar gemacht hat, dass HR in den nächsten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen wird. Besonders spannend macht diese Wandel das Zusammentreffen der fortschreitenden Digitalisierung mit der Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge und die damit einhergehende Verknappung von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt. Besonders innovativ & am Puls der Zeit (insbes. TANDEMPLOY) waren die neuen Produkte der jungen Startups!“

„Digitale Transformation ist in aller Munde vor allem in IT Unternehmungen - auch wir selbst durchlaufen eine digitale Transformation, umso wichtiger ist es auch im HR Trends zu erkennen, zu beobachten und kritisch zu hinterfragen. Um als Unternehmen erfolgreich zu sein, ist es essentiell, dass auch HR sich mit diesen Trends auseinandersetzt - deswegen schätze ich Veranstaltungen wie diese sehr, denn einerseits bekamen wir stichhaltige Studien präsentiert, aber auch innovative Start-ups vorgestellt, die großartiges leisten und für Inspiration sorgten um etwaige Verbesserungen im Unternehmen umzusetzen.“

Ich freue mich, dass ich HR Abteilungen bei dieser Herausforderung begleiten darf und noch viel mehr freue ich mich auf künftige spannende Innovationen und Impulse. 

Herzliche Grüße
Claudia

Freitag, 18. November 2016

Mit Post-its zum besseren Recruitingprozess


Post-its sind aus dem Büroalltag kaum wegzudenken. Bei mir liegen sie immer griffbereit auf dem Tisch in unterschiedlichen Farben und Formen. Sie sind nicht nur praktisch, um schnell Gedanken oder To Do’s oder eine Telefonnummer zu notieren, sie sind auch ein wichtiges Hilfsmittel bei der Digitalisierung. Welche Rolle spielen nun Post-its bei der Digitalisierung und wie verhelfen sie zu einem besseren Recruitingprozess?

Vor kurzem habe ich in einem Möbelhaus eine Kommode bestellt. Online mit Selbst-abholung. Für mich als Kundin perfekt. Über Bestell- und Abholzeitpunkt bestimme ich selbst (mit einer kleinen Einschränkung, was die Öffnungszeiten angeht). Schon nach wenigen Tagen erhalte ich per E-Mail die Nachricht, dass die Kommode nun abholbereit ist. Sehr fein. Bis dahin fühle ich mich gut „betreut“. Als ich dann am späten Nachmittag an einem Freitag im Auto auf dem Weg zum Möbelhaus nochmal dieses E-Mail durchlese, finde ich keinen Hinweis auf die Öffnungszeiten. Kann ich jetzt vorher noch schnell einkaufen oder muss ich direkt hinfahren? Bei der Entscheidung hilft ein Blick auf die Website, für mich also ein extra Schritt. In der Benachrichtigung gibt es auch keinen Hinweis, wo denn genau das gute Stück abzuholen ist. Also Parkplatz gesucht, zur Information marschiert und den Hinweis bekommen, dass ich direkt ins Lager fahren muss. Dort angekommen meint ein Mitarbeiter „ich habe schlechte Nachrichten. Die Kommode ist im anderen Lager und das hat heute schon zu.“

Ein wunderbares Beispiel für Customer Experience oder? Da fallen uns doch sofort zig Möglichkeiten ein, wie wir das Nutzungserlebnis verbessern können. Eine Methode, die für genau diesen Anwendungsfall bereits erfolgreich eingesetzt wird, ist Design Thinking. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Definitionen für Design Thinking, für mich bringt es die folgende sehr gut auf den Punkt: Kollaborativer, iterativer und menschenzentrierter Prozess zur Lösung von Problemen unter Nutzung von Designmethoden und Vorgehensweisen. David Kelley erklärt in diesem Video wunderbar, kurz und verständlich, was Design Thinking ist und was den Unterschied ausmacht. 

In österreichischen HR-Abteilungen wird Design Thinking noch sehr zögerlich eingesetzt. Für den Einsatz in anderen Bereichen im Unternehmen gibt es schon zahlreiche Erfolgsgeschichten. Bei Google, Apple und Co gehört Design Thinking ganz selbstverständlich dazu, wenn es um die Entwicklung von neuen Produkten oder Prozessen geht. In Österreich arbeiten u.a. bereits die Lotterien und ÖBB daran, mittels Design Thinking die Customer Experience zu erhöhen. 

Nina Schmidt, HR Lead von Microsoft Österreich, hat beim Digital HR Innovation Camp gemeint, dass HR Leader und Change Agent für Digitalisierung sein kann und soll (dazu gibt es im Blogbeitrag nächste Woche noch mehr). Sie arbeitet ebenfalls mit Post-its, also mit dem Design Thinking Ansatz ;-)

Wann ist es denn sinnvoll um z.B. einen „Recruiting Design Thinking“ Workshop durchzuführen? Ein guter Design Thinking Prozess braucht eine gute Herausforderung. Ich sehe da viel Potenzial, z.B. kann es sich um folgende Fragestellungen handeln: Wir bekommen zu wenige Bewerbungen, zu viele Bewerbungen, nicht die richtigen Bewerbungen, Bewerberinnen springen ab, etc. Oder aber, wir haben Budget bekommen, die Implementierung einer neuen Recruiting Software steht an. Freude und Frust zeitgleich im HR Team. Freude, weil die neue Software die Recruiting Experience für alle Beteiligten, also Bewerberinnen und Recruiterinnen verbessern soll. Frust, weil oft völlig unklar ist, „wie gehen wir es an“?

Wie funktioniert Design Thinking in der Praxis?

Design Thinking Modelle gehen systematisch an den Prozess heran. In einem ersten Schritt wird das Problem der Kundinnen (in unserem Fall eben die Bewerberinnen) genauestens analysiert. Erst in einem zweiten Schritt widmet man sich der Lösungsfindung, die auch im Vordergrund steht. Es gibt unterschiedliche Prozessmodelle, mit unterschiedlich vielen Stufen, aber alle haben folgende Prozessschritte gemeinsam: 

  1. Inspiration
  2. Ideenfindung
  3. Implementierung

Das Ziel von Design Thinking ist immer, in die Umsetzung zu gehen. Es entstehen keine Konzepte für die Schreibtischlade. Aus diesem Grund, sind auch nicht nur Recruiterinnen am Prozess beteiligt, im Idealfall holen wir möglichst viele Stakeholder dazu. Niemand braucht spezielle Vorkenntnisse oder Kompetenzen, es gibt nur ein paar Voraussetzungen. Der Prozess schafft ein tiefes Verständnis von dem zu lösenden Problem. Inspiration und Kreativität werden ständig gefördert, wodurch Innovation entsteht. Wir arbeiten dabei

  • auf Augenhöhe
  • disruptiv
  • empathisch
  • ergebnisoffen
  • konstruktiv
  • partizipativ.

Mittels Design Thinking können wir Bedürfnisse erkennen und verstehen, stellen den Kundinnennutzen in den Vordergrund und schaffen Erlebnisse. Das ist es auch, was mir am Modell Design Thinking am besten gefällt: wir starten alle bei 0, es gibt keine Expertinnen für das Thema und wir greifen viele verschiedene Sichtweisen auf, holen im Idealfall die Zielgruppe dazu und binden sie ein. Wenn dann noch Vertreterinnen aller Stakeholder mit dabei sind, also für den Recruitingprozess zum Beispiel HR, Recruiterinnen, Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und potentielle Mitarbeiterinnen kann in kurzer Zeit ein wirkliches Recruitingerlebnis für alle Beteiligten geschaffen werden.

Das wichtigste Design Thinking Werkzeug gibt es wie schon eingangs erwähnt in jedem Büro: Post-its

Schauen wir uns doch gemeinsam an, ob Design Thinking für Ihre HR Prozesse einen Mehrwert liefern kann!

Herzliche Grüße
Claudia

Freitag, 11. November 2016

My heart beats HR


„My heart beats HR“! lautet das Motto der 15. Personal Austria. „Knochentrockene Personalisten? Von wegen. Ihr Herz schlägt für HR! Sie brennen dafür, gemeinsam innovative Ideen zu entwickeln und Human Resources neu zu denken. Mit der Kampagne „My heart beats HR! Innovative Impulse für die Zukunft der Arbeit“ möchte Österreichs größte Personalfachmesse anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens alle HR-Spezialisten dazu ermuntern, die neue Arbeitswelt aktiv mitzugestalten und vor allem Farbe zu bekennen.“

So verheißungsvoll lautet der Ankündigungstext auf der Website – auch im neuen Look – der diesjährigen Personal Austria. „Time to say goodbye“ habe ich letztes Jahr nach meinem Besuch gemeint. Und heuer?

Tatsächlich hatte ich nach dem Erlebnis im Vorjahr heuer keinen Besuch eingeplant. Dann kam die erste Info in die Mailbox und siehe da – zumindest der Webauftritt wirkte frischer, es wurden innovative Ideen und Formate versprochen. Erste Zweifel kommen auf, ob ich den Termin nicht doch frei halten soll. Es werden Speaker wie z.B. Selma Prodanovic angekündigt. „Erleben Sie Top-Speaker und HR-Visionäre.“ Mein Interesse war geweckt. Letzte Woche dann ein Blick auf die Ausstellerinnen und Speaker. Nicht überzeugt, aber im Recruiting predige ich ja schließlich auch immer, von wegen Vorurteile und so ;-) Also eine neue Chance für die Personal Austria.
½ Tage hatte ich eingeplant, tatsächlich war keine 3 Stunden da. Örtlich gibt es wieder eine Veränderung, wir sind zwar in der Messe Wien aber „nur“ in der Halle A. Das hat den Vorteil, dass sich wirklich alles in einer Halle abspielt und ich mir sehr schnell einen Überblick schaffen kann. 
Ich habe mit Besucherinnen und Ausstellerinnen gesprochen und erhalte folgendes Feedback: alle sind sich einig, im Vergleich zum Vorjahr gibt es eine Verbesserung. Besonderen Anklang findet der Sonderbereich HR and Law mit kurzen aktuellen arbeitsrechtlichen Inputs. Die sind im Gegensatz zu anderen Vorträgen auch gut besucht.


Im Vorfeld haben sich die Veranstalter wirklich ins Zeug gelegt, waren ambitioniert und offenbar wild entschlossen, die Personal Austria wieder zu einem HR Event Highlight zu machen, nette Postkarte inklusive. Es konnten einige Austeller wieder und andere neu gewonnen worden. Leider ist die Digitalisierung noch nicht ganz angekommen, vor allem, sich am Desktop oder am Handy durch das Programm zu scrollen ist einfach mühsam. Fraglich ist, wer genau jetzt als Top Speaker und HR Visionär gilt? Warum setzt man die Teilnehmerinnen an einer Podiumsdiskussion zu „innovativen“ Recruitingstrategien mit Personen aus, wie sagt man das schnell politisch korrekt, ach ja, traditionellen Unternehmen zusammen und schickt nicht auch eine Teilnehmerin, die auf innovative Strategien setzt und aus der Praxis berichten kann?
Außer der Ankündigung von Vorträgen über Facebook und Twitter hielt sich die „Live-Berichterstattung“ in Grenzen. Ein wenig Verwirrung dürfte der offizielle Hashtag gestiftet haben. Der offizielle #PAustria war wohl auch einigen Ausstellern nicht bekannt, aufgrund der Website habe ich eigentlich auch angenommen, es ist wohl #PA16. Den hat jedoch die zeitgleich stattfindende Wahl der Kongressabgeordneten in Pennsylvania verwendet ;-)

Eine nette Idee war die leider völlig verwaiste Fotobox, was mit den Feedbackkarten passiert bin ich gespannt. 


Habe ich den HR Inside Summit mit einer Städtereise verglichen kommt mir bei der Personal Austria eher ein netter Wochenendspaziergang in den Sinn. Und beides mag ich grundsätzlich gern. Fazit: wer auf der Suche nach Impulsen und Inspiration ist, dem empfehle ich einen Besuch beim HR Inside Summit. Alle, die eher Informationen einholen möchten und die Zeit nutzen wollen, um z.B. mit mehreren Anbietern in Ruhe zu sprechen, der ist auf der Personal Austria richtig. 
Und wer nächste Woche Donnerstag Zeit für einen Kurztrip hat, kommt vielleicht zum Digital HR Innovation Camp bei Microsoft.
Herzliche Grüße
Claudia

Freitag, 4. November 2016

Mein Reisebericht vom HR Inside Summit 2016


Ich mag Städtereisen. Am liebsten wenn ich zum 2. oder 3. Mal in einer Stadt bin und nicht mehr in der „ich bin jetzt da ich muss alles sehen“ Stimmung bin. Sondern mich ganz auf das konzentrieren kann, was mir beim ersten Mal besonders gut gefallen hat und ich auch mal ganz relaxed in einem Cafe sitzen und einfach nur beobachten kann. Wenn ich zum ersten Mal an einem Ort bin ist es oft so, dass ich überwältig bin von vielen Eindrücken und je länger die Reise dauert und je mehr ich erlebe, um so weniger kann ich mich an alles erinnern.

Vor kurzem war ich das erste Mal als Teilnehmerin beim HR Inside Summit und ich hatte nach 2 Tagen genau das gleiche Gefühl wie sonst nach Städtereisen. Ich war „voll“ von den zahlreichen Impressionen, Impulsen aus den diversen Vorträgen und Sessions und den vielen Kontakten. Trotzdem habe ich immer noch das Gefühl, auch einiges „versäumt“ zu haben. 

Einen ersten Eindruck habe ich schon festgehalten, das Team von ÜBERALL hat zwischenzeitlich ein kurzes Video gepostet, das die Stimmung sehr gut wiedergibt und VerVieVas hat mittels Graphic Recording live mitdokumentiert. Inhaltich lag der Fokus 2016 auf dem Thema „Unternehmenskultur“.

Erst Kultur dann Profit
Nico Rose, Senior HR Director Bertelsmann,  eröffnete den HR Inside Summit 2016 mit dem launigen Titel „Mitarbeiterglück = Unternehmenserfolg: hat Ihr Unternehmen den ROFL-Faktor?“ Er spaltete das Publikum mit dem „Superhelden Dilemma“ indem er folgende Frage stellte: Möchten Sie lieber ein Superheld sein, der Böses bekämpft oder einer der Gutes tut, wenn eines das andere ausschließt? Als Verfechter der „positiven Psychologie“ ist er überzeugt, dass glückliche Mitarbeiterinnen maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen. Sie sind effizienter, kreativer und loyaler. Eine Mitarbeiterinnenzentrierte Unternehmenskultur bedeutet zu Beginn wohl Investitionen beschert aber am Ende höhere Erträge.

Management ist keine Rocket Science
Kim Wylie, Head of Customer Change and Transformation, Google for Work, gab mit ihrer Keynote „Inspiring a culture of innovation“ Einblicke in Google. Sie ist der Meinung, dass der Erfolgsfaktor für Unternehmen die Fähigkeit ist, mit Änderungen umzugehen. Gutes Management befähigt Mitarbeiterinnen dazu. Technologie soll die Employee Experience unterstützen. Mitarbeiterinnen, die zusammenarbeiten, sind glücklicher, leisten mehr und sind innovativer. Dies führt wiederum zu mehr Unternehmenserfolg und muss auf 3 Ebenen geschehen: Kopf (Ratio), Herz (Emotion) und Füße (Verhalten). Höchst interessanter Fakt zur Diversitystrategie von Google: nur 40 % der HRlerinnen HR Background. 

Stop Managing. Start Inspiring.
Jonathan Reichental, CIO, City of Palo Alto, schockt zu Beginn seiner Keynote mit der Aussage, dass 70 % der Mitarbeiterinnen die Unternehmensvision nicht kennen. Er plädiert dafür, eine starke Unternehmensvision zu kreieren, also das Bild davon für alle greifbar zu machen, was wir als Unternehmen künftig tun bzw. wie wir sein wollen. Inspiration ist Motivationsfaktor Nummer 1, gefolgt von Wertschätzung, Jobsicherheit und Kommunikation. Ihm verdanke auch meine neue Jobbezeichnung: Chief Inspiration Officer. 

Zerstöre dein HR Portfolio
Stephan Grabmeier, Chief Innovation Evangelist, Haufe, sprach über next generation HR. Wir leben in höchst komplexen Welten, in denen wir agieren müssen. Geschäftsmodelle funktionieren heute anders, UBER, Facebook und andere erfolgreiche Unternehmen haben z.B. kein eigenes Produkt auch keinen eigenen Content. Es gibt daher eine Verschiebung von Produkt- zu Kundinnenzentrierung. In Organisationen gibt es nach wie vor klassische Dinge aber es kommen viele neue Themen wie z.B. agile Strukturen, New Work, etc. hinzu. Die große Herausforderung für HR ist es, sowohl als auch zu bedienen. Die Frage ist daher, ist HR Treiber oder Getriebener?

Hire best recruiters to hire best talents
Michael Kim, Global Business Partner, Spotify, erzählt von der „HR Passion Tour“: Ein Team von HR besuchte 2014 alle Niederlassungen und hat gefragt: „was bedeutet es für euch, bei Spotify zu arbeiten?“ Einen ersten Eindruck bekommt man auf der Spotify Website. Und natürlich am HR Inside Summit ;-) Durch die Videos, die Michael hergezeigt hat, konnten wir einen guten Eindruck der Unternehmenskultur erhalten. Mich persönlichen versetzen die in „good mood“ einige andere meinten, nein das interessiert mich gar nicht, da möchte ich nicht arbeiten. SO geht Employer Branding ;-) ?“ Noch ein paar facts: Spotify wächst im Jahr um 27 %, hat im Jahr 2015 110.000 Bewerbungen erhalten und eine Empfehlungsquote von 22 % im Recruiting. Ein Erfolgsrezept für die rasche und gute Integration der neuen Kolleginnen ist laut Michel eine starke Onboarding-Strategie, so finden z.B. in Stockholm 3 „Intro Days“ statt. „HR can move mountains“!

Mit der Verleihung der HR Awards ging der erste Tag eher unspektakulär zu Ende. Der "Auftakt" der 2. Tages war dafür wirklich imposant.

Vorbild statt Verbalakrobatik
Christian Gansch, Dirigent, ehemals Münchner Symphoniker, hat ganz DIVA like verboten zu filmen. Sein Vortrag war teilweise Stress pur, auch er polarisierte. Während die einen ganz angetan waren, hielt sich bei anderen die Begeisterung in Grenzen. Sehr interessant war, der Blick hinter die Kulissen und zwar was den Recruitingprozess angeht. Der übrigens standardisiert ist und in allen Orchestern gleich abläuft. Am Ende entscheidet übrigens das Team, wer dabei ist und wer nicht. Auch hier spielt Onboarding eine große Rolle, die Probezeit dauert 1 Jahr und man bekommt einen Mentor an die Seite. Wunderbar finde ich, das es ein klar definiertes Ziel des Prozesse gibt: vom ICH- zum WIR-Gefühl. Der Dirigent agiert mehr als Vorbild denn als Leitfigur, er kann einfach nicht überall zeitgleich sein, daher braucht es eigenverantwortliche Führungskräfte, wie die 1. Geige z.B. Christian Gansch plädiert dafür Werte zu leben und nicht zu lesen, und gibt noch eine schöne mit auf den Weg: dirigieren heißt zuhören können, dies fördert die Inspiration. Und wer nicht weiß warum, wofür, wozu, kann sich nicht motivieren. 

Mindful Business braucht Platz
Jutta Tobias, schafft es, innerhalb weniger Minuten einen Saal voller Leute, die vom vorherigen Vortrag „energetisiert“ und aufgekratzt sind, in eine achtsame, regelrecht ruhige Atmosphäre zu führen. Sie ermutigt uns direkt, einmal die Perspektive zu ändern und unseren Blick auch mal nach hinten oder oben zu richten. Wer zurück schaut kann stürzen, wer aber nur vorwärts schaut, der verpasst die Reise. Mindful Business bedeutet, zurück zu unseren 5 Sinnen, das unsichtbare sichtbar zu machen. Ich bin sicher, während ihrer Keynote sank die Anzahl der Tweets, gleichzeitig mindful sein und twittern, das geht einfach nicht. Sie ermuntert dazu, Fragen zu stellen, ohne die Antwort zu geben und den Prozess vom Problem zu lösen.

Von klassischer Organisation zum Netzwerk
Markus Tacker, CTO, Resourceful Humans: stellte sich als Entwickler der „HR Meute“. Er meint, dass es möglich ist, Unternehmen mit 0 % Bürokratie zu führen und setzt auf Netzwerke als Organisationsform. Lassen wir jede Mitarbeiterin machen, was sie kann und will, das führt zum Unternehmenserfolg. Bei der Keynote von Markus war mir und einigen anderen, mit denen ich gesprochen habe, leider nicht ganz klar, welche Message transportiert werden sollte. 

Arbeitsplatz der Zukunft
George Muir, Process Developer "Visualise the Future IKEA Workplace": The future oft he workspace, identifiziert Schlüsseltrends zur Zukunft des Arbeitsplatzes. Wir arbeiten jetzt schon anders als noch vor wenigen Jahren, in Zukunft wird sich der Arbeitsplatz wie wir ihn heute kennen völlig verändert haben. Das Schlüsselwort heißt Connectivity, man ist quasi permanent vernetzt. „Arbeitsplatz“ bedeutet nicht mehr, ein Bürogebäude. Auch Maßnahmen für Mitarbeiterinnen müssen überdacht werden. Massage am Arbeitsplatz ist nett, was ist aber wenn ich die meiste Zeit im Home Office tätig bin? Das HR Tema „Retention“ bekommt mit dem Netzwerkgedanken und mehr Tätigkeiten für Freelancer eine andere Bedeutung. George sieht künftig „Prozessentwickler“ als ein wichtiges Aufgabengebiet.

Was bedeutet digital?
Tim Steigert, Change & Innovation Leader, GE: „Digital & HR – a match made in heaven or recipe for disaster?“
Es wird digital gearbeitet, digital gefeiert (Stichwort: Selfie). Er vergleicht die digitale Transformation mit Olympia und plädiert dafür, dass jeder seinen eigenen Weg findet. Nur weil alle das gleiche machen, bedeutet das nicht, das auch die Ergebnisse gleich sind. Er gibt uns noch einen netten Rat auf den Weg: „digital funktioniert nicht ohne Menschen“. 

Und schon war die Reise vorbei, was bleibt sind viele viele Eindrücke, Impulse und die Freude auf ein Wiedersehen: save the date: 27.-28. September 2017, wir sehen uns dann!

Herzliche Grüße
Claudia